Der Nachwuchs darf wieder ins Boot

Es waren lange Wochen des Wartens bis der Kanu-Nachwuchs der Rheinbrüder Karlsruhe wieder die Paddel in die Hände nehmen durfte. Nach der langen Wintersaison ohne Wassertraining sollte es nach Ostern wieder auf dem Wasser los gehen. Daraus wurde aber durch die Corona-Pandemie nichts und so hieß es anstatt im Boot, zu Hause im elterlichen Wohnzimmer auf dem trockenen zu sitzen.

Nachdem die Nationalkader- und später auch die Landeskadersportler*innen bereits Training auf dem Wasser abhalten konnten, „dürfen nun die Kleinsten auch wieder paddeln!“, freut sich Nachwuchskoordinatorin Anka Hofmann. Die Kleinen sind zwischen neun und zwölf Jahre alt und viele von ihnen haben erst im letzten Jahr bei einer Talentsuche der Rheinbrüder Karlsruhe in Kooperation mit CRONIMET das kühle Nass für sich entdeckt. „Es ist wichtig, dass wir endlich wieder ein Training im Rheinhafen anbieten können“, erklärt Anka Hofmann.
In Kleingruppen von maximal vier bis fünf Kindern dürfen die „Kanu-Küken“ nun zwei Mal die Woche bzw. die elf bis zwölf jährigen sogar drei Mal die Woche auf dem Rheinhafen paddeln. Zu verdanken haben sie es der unermüdlichen Arbeit des gesamten Karlsruher Trainerteams der Rennmannschaft, allen voran Stützpunktleiter Detlef Hofmann. Er hat im ständigen Austausch mit den zuständigen Institutionen einen entsprechenden Hygieneplan ausgearbeitet und in einer Sisyphusarbeit die Trainingsgruppen so aufgeteilt und zeitlich eingetaktet, dass es den jeweiligen Abstandsbestimmungen entspricht.

Dazu zählt, dass die Youngsters bereits umgezogen am Trainingszentrum der Rheinbrüder erscheinen müssen. Das Betreuerteam unter der Leitung von Anka Hofmann, Annika Graf und Maike Worch empfangen die einzelnen Kleingruppen und haben bereits die Boote aus dem Lager geholt, so dass die Kinder nur noch das Material schnappen und zum Steg laufen müssen. Dort wird darauf geachtet, dass sich auf dem Steg, der im Normalbetrieb gut zehn Personen auf einmal fassen kann, nur immer zwei bis vier Personen gleichzeitig aufhalten. Nachdem die Rheinbrüder-Kids dann eine Stunde mit dem nötigen Abstand, der aber durch Paddel und Boot sowieso gewährleistet ist, im Rheinhafenbecken IV gepaddelt sind, fahren sie wieder aufgeteilt an den Steg, bringen ihre Boote hoch, putzen sie im vorgeschriebenen Mindestabstand und gehen nach Hause.


Kurz nachdem für die ersten Kinder der Spaß zu Ende ist, kommt die nächste Kleingruppe am Rheinhafen an und für die Trainer*innen wiederholt sich der Ablauf erneut bis alle Kinder ihr Training absolviert haben. Anka Hofmann berichtet, dass diese Form des Trainingsalltags insbesondere die Vorbereitung zwar sehr zeitaufwendig ist, aber durch die kleinen Gruppen intensiver und zielorientierter gearbeitet werden kann. Das komplette Helferteam der Rheinbrüder versucht einfach immer alles zu geben, um den „Kleinen“ den Spaß am Paddeln zu ermöglichen.
„Viele Eltern sind sehr dankbar und glücklich, dass wir für ihre Kinder wieder einen Schritt in Richtung Normalität gehen“, freut sich Hofmann und fügt an, „das tut dann auch schon mal gut.“


Im Trainingszentrum selbst läuft auch alles nach den Leitplanken des DOSB und den Vorgaben der Verordnung für Spitzensport ab. Seit die Landeskader wieder das Trainingszentrum betreten dürfen, erhascht man vor den Umkleidekabinen einen seltsamen Anblick: Jeweils ein Stehtisch mit Desinfektionsmittel ist unmittelbar vor der Tür platziert und darauf liegt ein großer Soft-Würfel. Die Kanuten spielen aber in der Pandemie-Zeit keine Gesellschaftsspiele im Flur, sondern regeln damit den Einlass. „Das ist unsere Art sicherzustellen, dass in den Umkleidekabinen nicht mehr als fünf Sportler*innen sind!“, erklärt Hofmann.
Bei genauerer Betrachtung des Würfels erkennt man, dass die Fläche mit den sechs Punkten mit einer 0 überklebt ist. Geht ein Sportler in die Umkleide wird der Würfel um einen Punkt nach oben gedreht. Kommt wieder eine Person aus der Umkleide, dreht diese den Würfel wieder um ein Auge zurück. Kreativität ist in dieser Zeit das A und O! Aber auch Solidarität.

Würfel regeln den Einlass in die Umkleidekabinen Bild: ©A.Hofmann


Während der paddelfreien Zeiten für die Kleinsten haben sich langjährige Mitglieder wie Peter Kühn, Rheinbrüder Urgestein Hartmut Höfle und der mehrfacher Wildwasser-Weltmeister Peter Müller um die Reparaturen der Massen an alten Rennsportbooten, die im Nachwuchsbereich eingesetzt werden, gekümmert. Jetzt können auch dort alle Hygienemaßnahmen eingehalten werden, da jedes Kind sogar ein eigenes Boot zur Verfügung hat.
Eigentlich lautet das Motto der Rheinbrüder: „Von der Jugend für die Jugend“. Gerade jetzt wird aber wieder deutlich, dass es in einem Verein dann am schönsten ist, wenn jeder für jeden da ist.

MaT

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